Comic
Comicserie für das Musikmagazin unclesally*s
Der (die/das?) unclesally*s war ein kostenloses monatliches Musikmagazin, das in seiner Hochzeit eine Auflage von über 110.000 Exemplaren erreichte und landesweit erhältlich war. Finanziert wurde das Magazin über den Anzeigenverkauf. Ein Konzept, das aus heutiger Sicht wie eine wirklich bescheuerte Idee erscheint. War es vermutlich auch. Aber damals nicht unüblich. Es gab mehrere Magazine dieser Art, wie z. B. auch das Intro. Dabei waren Anspruch und Qualität groß. Einige der renommiertesten Schreiber des Musikjournalismus (Was soll das eigentlich sein?) haben dort … naja, schreiben gelernt. Es gab aufwändig produzierte Fotostrecken und ein hefteigenes Festival. Und mittendrin ich.
Begonnen hatte ich mit einem dreiseitigen Witzstrip. Zu einem runden Jubiläum habe ich ihnen dann eine ganze Doppelseite aus dem Redaktionsalltag untergeschoben, und aufgrund des großen Erfolges gab es die dann immer (also Einzelseite, um korrekt zu sein). Nach einem redaktionsinternen Eklat wurde mir nahegelegt, besser nicht mehr den Redaktionsalltag zu parodieren. (Die Chefin hatte aus Solidarität mit mir ihren Job niedergelegt. Das war mein größter Erfolg in meinem Leben.)
Ab dann wurde es richtig gut! Die Figuren erlebten wilde Abenteuergeschichten. Viele mich weiterhin begleitende Figuren wie der Wal auf mechanischen Beinen und der Teufel im Anzug sind in diesem Rahmen entstanden. Irgendwann ging die Musikindustrie kaputt oder das Internet kam oder es war Wirtschaftskrise oder alle waren bei Napster. Ich weiß es nicht mehr. Aber niemand hat mehr Anzeigen gebucht und das Heft wurde eingestellt. Ich hätte noch eine Ausgabe länger gebraucht, um meine gerade laufende Storyline abzuschließen. (Das war meine größte Niederlage in meinem Leben.)
Es war eine unfassbar tolle Zeit.
So viel künstlerische Freiheit bei so einer Auflage werde ich vermutlich nie wieder haben. Und ein paar Sachen waren echt gut.
Ich vermisse euch.
Prost!
