Meine Freundin hatte Geburtstag und war nicht da. Aus Gründen die hier nichts zur Sache tun, wollte ich ihr ein rennendes Wildschwein mit einem Kuchen zeichnen und das Bild über einen Messenger schicken. Wenn ich gut drauf bin, kann ich sowas gut. Wenn ich angespannt wird, ist es anstrengender. Die Zeichnung sah beim Entstehen überhaupt nicht aus, wie ein Wildschwein. Manchmal steigt in solchen Momenten leichte Panik in mir auf, weil ich unsicher bin, welcher Strich das Wildschwein genau zu einem Wildschwein machen. Was ist, wenn ich das nicht hinbekomme. Wenn das ab jetzt für immer so bleibt?! Das kann ich nicht meiner Freundin schicken. Man muss verstehen, dass diese Art von kreativen Erschaffen und darüber Kommunizieren, ein wichtiger Faktor meines Selbst- und Ich-Bewusstseins ist, der vorhandene Defizite, wie das Fehlen von großem Grundbesitz kompensieren muss.
Dann hatte ich interessanterweise folgenden Gedanken: Ein perfektes Wildschwein könnte ein KI-Bildgenerator per Knopfdruck erstellen und niemand würde beim Betrachten daran zweifeln, dass DAS ein Wildschwein ist. Da gäbe es keine falschen Proportionen und Dellen an den unangebrachten Stellen. Und wenn es diese Variante also schon gibt, bin ich ja frei zu machen, was ich will, weil dagegen käme ich sowieso nicht an. Ist der Ruf erst ruiniert, zeichnet es sich ganz ungeniert. Das war sehr befreiend.
PS: Ob sie sich über das Wildschwein gefreut hat, weiß ich nicht. Sie sandte mir eine Sprachnachricht, die klang wie eine technische Störung. Funkloch sagt sie.
