Ein Orangeduftspray auf der Toilette soll den Geruch nach Scheiße überdecken. Wenn anschließend die nächste Person die Toilette betritt und den künstlichen Orangenduft riecht, weiß sie aber, was der bedeutet. Er ist wie ein Code für etwas anderes, über das man nicht offen spricht. Im Laufe der Zeit wird der Duft nach Orangen zu einem Synonym für Scheiße.
Wenn man nach dem Entleerungsvorgang feststellt, dass das Orangenduftspray leer ist, riecht es auf einmal wieder nach Scheiße. Das Versprechen der einfachen Lösung durch Kaschierung wird nicht mehr eingelöst, und man muss sich der stinkenden Realität stellen.
Genauso wie die Person, die nach einem die Toilette betritt.*
*Vor Corona musste ich für meine Arbeit beim Metal Hammer (ja, ich arbeite für den Metal Hammer. Cool, was?!) immer ins Verlagsgebäude. Eigentlich ist es nur eine Etage. Dort sind die Toiletten sehr, sehr klein. Einmal stand ich dort in der Scheißewolke des Chefredakteurs des Rolling Stone**.
Das wusste ich, weil er mir auf meinem Weg zur Toilette entgegenkam. Diese Verbindung von Geruch und Person war sehr unangenehm. Unangenehmer, als wenn man in einer anonymen Stinkewolke gestanden hätte.
**Musikmagazin, das vor allem Berichte über Jubiläen wie „70 Jahre The Beatles – Let It Be“ bringt, aber auch über junge Talente wie Bruce Springsteen berichtet.
